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Weltanschauungen

Aus den letzten Jahrhunderten sollten wir eine Lehre gezogen haben. Sie sollten uns an Punkt gebracht haben, darüber nachzudenken, welche Prinzipien, Werte und Glaubenssysteme wir selbst für wahr halten und auch woran die heutige Gesellschaft glaubt. 

Die Geschichte und die Kultur sind wie eine Strömung, die ihren Ursprung im Denken jedes Menschen hat, welches einzigartig ist und seine Entscheidungen und Handlungen bestimmt. Das gilt auch für das Wertesystem und die kreativen Handlungen. 

Das Ergebnis des Denkens eines Menschen, sei es nun klar definiert oder nicht, strömt durch seine Finger, seine Zunge, einen Meißel (Michelangelo), die Feder eines Schreibers und durch das Schwert eines Diktators, und verwirklicht das, was in seinem Innersten vorgeht, in der realen Welt. Jedes getane Werk, insbesondere in Ausübung der hohen Berufung eines Lehrers, muss ein elementarer Bestandteil eines lebenslangen inneren Prozesses sein, durch den seine Prinzipien und Werte geprägt werden und dann durch seine Erfahrungen in der Kunst, der Literatur etc. zum Ausdruck kommen. 

In den Sprüchen 23,7 heißt es: "Wie ein Mensch in seinem Herzen denkt, so ist er." Im Matthäus-Evangelium 6,21 steht: "Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein." Diese Verse enthalten eine tiefe Wahrheit, die man speziell bei der Erziehung und Ausbildung von Kindern beherzigen muss. Erziehung erfolgt niemals wertneutral. Wir alle haben eine bestimmte, unterschiedliche Denkensart. Im allgemeinen wird unser Leben davon viel stärker beeinflusst, als man glauben oder wahrhaben will. 

Jeder einzelne hat seine ureigene Weltanschauung, durch die er seine Welt betrachtet und beurteilt. Wir beobachten einander, während wir selber auf der Bühne stehen, und beurteilen die Leistungen und Handlungen der anderen, vergessen dabei aber, dass der eigentlich Handelnde in unserem Inneren steckt. Was wir im Innersten denken, bestimmt, wie wir nach außen handeln. Wenn wir unseren Kindern Geschichten vorlesen, müssen wir ihnen auch die Prinzipien aufzeigen, nach denen diese Menschen lebten, um besser zu verstehen, auf welchem Fundament sie standen, ganz besonders aber dann, wenn wir ihnen nachfolgen wollen, um wie sie zu werden. 

Die gesamte Geschichte zeigt, welche Auswirkungen unterschiedliche Weltanschauungen auf die Kunst, die Literatur, die Wissenschaft, die Musik, das Kino, das Schulwesen, das Regierungswesen, die Psychologie, die Soziologie, das Recht, die Medizin und die Wirtschaft hatten und welche Konsequenzen das ihnen zugrunde liegende Gedankengebäude mit sich brachte. Umweltschützer, Terroristen aus dem Nahen Osten, Journalisten, Politiker, Lehrer, Menschen mit judeo-christlicher Prägung - sie alle haben ihre eigene - sicherlich fundamental unterschiedliche - Weltanschauung. 

Weltanschauungen schaffen einen Bezugsrahmen für jegliche Entscheidung und Handlung. Der Glaube führt zu Annahmen, aus denen eine Lebensphilosophie entspringt. Aber es sind wiederum bestimmte Doktrinen, die hinter einer Weltanschauung stecken. Die Kultur ist etwas Erlerntes, nicht etwas Ererbtes oder in den Genen Angelegtes.